Aufgehellte Vollblüter

 

Es darf vermutet werden, dass bereits Byerley Turk (auch Barely Turk genannt), einer der drei Stammväter des Englischen Vollblutes, Träger des Cream-Gens war.


Er war ein Achal-Tekkiner und höchstwahrscheinlich ein dunkler Braunisabell (dark Buckskin).

 

"The Byerley Turk" • Ölgemälde von John Wootton (1682 -1764)

 

James Darcy the Elder, Stutmeister des britischen Königs Charles II. (1630-1685), stellte seinem Dienstherren die beiden einflußreichen Hengste Darcy’s Yellow Turk (*1665, vermutlich Fuchsisabell, obwohl im britischen General Stud Book als “sorrel” oder “chestnut” registriert) und Darcy’s White Turk (*1669, vermutlich Schimmel mit verdecktem Creme-Gen) zur Verfügung. Darcy’s Yellow Turk könnte als Stammvater aufgehellter Farben im Englischen Vollblut bezeichnet werden, da die meisten aufgehellten Pferde auf ihn zurückgehen.

 

"Darcy's Yellow Turk" (in diesem Gemälde als Braunisabell dargestellt, war er aber vermutlich eher ein Fuchsisabell)

 

Ein weiterer Hengst, der die Anerkennung als Stammvater aufgehellter Farben im Englischen Vollblut für sich beanspruchen könnte, ist Acaster Turk (*1703, auch Ancaster Turk, Carlisle White Turk und Lord Carlisle’s White Turk genannt). Er war ein Schimmel, aber seine Grundfarbe könnte durchaus “gelb” gewesen sein. Einige seiner direkten Nachkommen waren aufgehellt, wie beispielsweise seine Tochter Twaite’s Dun M deren Name für eine Braunisabellstute (Buckskin) spricht. Seine Tochter Sister to Chaunter (*1712, auch Akaster Turkmare genannt, Fuchsisabell) stammte aus der fuchsisabellfarbenen Stute Cream Cheeks (*1690), deren mütterlicher Großvater Spanker (auch als Pelham’s Bay Arabian bezeichnet) vermutlich ein Braunisabelle (Buckskin) war. Spanker war ein Sohn des Darcy’s Yellow Turk, was wiederum für diesen als Stammvater spricht.

 

Sister to Chaunters Tochter Silverlocks (*1725, auch Bonny Dundee  genannt) war in jedem Fall eine Fuchsisabellstute. Von Mr. Taunton wurde sie als “chestnut filly with a white mane and blaze face” beschrieben. Lord Godolphin nannte sie einen Dun (Braunisabell). Silverlocks Tochter Sister one to Buff coat (*1738, “Buff” bedeutet stumpfes gelbbraun) war als Buckskin registriert. Auch ihr Sohn Brilliant (*1750) war eindeutig ein Buckskin, was das untenstehende Gemälde von William Shaw dokumentiert.

 

Silverlocks
"Brilliant, William Croft’s dun Stallion" • William Shaw (unbekannt-1772), 1758

 

Weiterere Anwärter für den Titel des Stammvaters aufgehellter Farben im Englischen Vollblut sind der 1715 aus Aleppo importierte Braunisabell Oxford Dun Arabian (*ca. 1710), der unter anderem die Fuchsisabellstute Oxford Dun Arabian Mare (*ca. 1718) hinterließ. Weiterhin Gower Dun Barb (*~1750) ein Buckskin-farbener Berber, dessen Abstammung jedoch nicht überliefert ist und von welchem auch kein Bild existiert.

 

Oxford Dun Arabian
Dieses Gemälde um 1750 des John Wootton (Snitterfield, um 1682-1764) trägt zwar den Titel "Dun Barb (Horse and Arabian Groom)", aber es dürfte sich hier um den Hengst Oxford Dun Arabian handeln) – siehe Bild darüber

 

Bei Eclipse (*1764), berühmtestes Rennpferd seiner Zeit, wurde lange Zeit gemutmaßt, er sei möglicherweise ein Fuchsisabell. Er war als Fuchs registriert, aber ein Gemälde, das ihn mit seiner Mutter Spilletta darstellt, zeigt ihn mit einem weißen Schweif. Nach gegenwärtigen ausgiebigen Untersuchungen seines Skeletts, welches in London bewahrt und konserviert wird, stellte man jedoch fest, dass er tatsächlich ein Fuchs war.

 

Eclipses Sohn Jupiter (*1764) wurde auf einem Gemälde als Fuchsisabell festgehalten, wie auch der Eclipse-Enkel Precipitate (*1787). Letzterer führt mehrfach Darcy’s Yellow Turk und Cream Cheeks in seinem Pedigree. Ein Sohn Eclipses mit dem außergewöhnlichen Namen Pot8os (auch Pot-8-os und Potoooooooo genannt), zu dessen Vorfahren die Isabellstute Silvertail (*1740) zählte, war vermutlich ebenfalls ein Fuchsisabell.

 

links: Eclipse als Fohlen mit seiner Mutter Spilletta • rechts: handcolorierter Stahlstich des Eclipse um 1800
links: Jupiter • rechts: Precipitate
Pot-8-Os

Pot-8-Os (auch Potoooooooo geschrieben), ein Sohn des großen Eclipse, sollte ursprünglich "Potatoes" heißen, aber sein Stallbursche schrieb den Namen fälschlicherweise Pot-8-Os. Der Besitzer des Hengstes, der vierte Earl of Abingdon, fand den Fehler so humorvoll, dass er sich entschied, den Namen so beizubehalten

Silvertail

Silvertail, Ölgemälde, 19. Jahrhundert (bei diesem Silvertail handelt es sich um den 1740 geborenen Hengst von Saucebox aus der Stute Silverlocks; es gab daneben auch die 1737 geborene isabellfarbene Stute "Silvertail".

 

 

 

Mittlerweile wird von zahlreichen Vertretern der Vollblutzucht seit etwa 1700 angenommen, dass es sich um Isabellen handelte, obwohl sie damals als Braune und Füchse registriert waren. Einige Beispiele hierfür sind Morgan's Dun (*ca. 1695-1705, buckskin), Thwaite's Dun Mare (*ca 1705, buckskin), Akaster Turk Mare (*ca. 1712, Fuchsisabell), 3 x Silvertail (1737, 1740 und 1753), Buffcoat (*1742, buckskin), Ginger (1750, buckskin), Easby Miller (buckskin, Muttervater = Godolphin Arabian), Creampot (*1755, buckskin), Well-Done (*1756, buckskin), Doubtful (*1759, buckskin), Antelope (*1760, buckskin), Honeycomb (*1760, buckskin), Isabella (*1765, buckskin), Petulant (*1767, buckskin), Spindle (*1767, buckskin), Dorilas (*1768, buckskin), Gem (*1768, buckskin), Spangle (*1769, buckskin), Dunny (*1771, buckskin), Pierrot (*1771, buckskin), Custard (*1774, buckskin), Loretta (*1774, buckskin), Golden Dun (*1777, buckskin), Don Dun und viele weitere.

 

John Wootton (Snitterfield, um 1682-1764) • "A page holding a racehorse", um 1750

 

Ab Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts findet man so gut wie keine Informationen über aufgehellte Vollblüter. Deshalb ist es es auch unmöglich, nachzuvollziehen über welche Linien das Creme-Gen weitergegeben wurde.

 

Im 20. Jahrhundert machten in Europa die beiden Vollblüter Sylfou xx und Marlon xx von sich reden.

 

Der 1959 in Frankreich von Henry de Catheu gezogene Sylfou xx von Djefou xx war als Fuchs registriert, aber auf diversen Fotos eindeutig als Fuchsisabell zu erkennen. Er wurde ins ungarische Staatsgestüt Somogysard verkauft und dort zur Farbzucht eingesetzt. Man findet ihn im Pedigree zahlreicher Isabellen osteuropäischer Herkunft.

 

Der als Dunkelbrauner eingetragene, 1958 geborene Marlon xx von Tamerlane xx stammte aus Irland und etablierte sich zu einem der vielseitigsten Vererber Holsteins. Von Marlon xx wird bis heute gemutmaßt, dass er ein dunkler Buckskin war. Allerdings sind nur drei direkte Nachkommen bekannt, die das Cream-Gen aufweisen und alle drei stammen von der selben Mutter, der fuchsfarbenen Holsteinerstute Diane (von Hetmann). Die Fuchsisabellstute Ma Soleil (Mamette Dite Ma Soleil) war hocherfolgreich unter Breido Graf zu Rantzau im Springsport unterwegs und deren ebenfalls isabellfarbene Tochter Insolante von Darco konnte große Erfolge im internationalen Springsport unter Philippe Rozier (Frankreich) aufweisen. Weiterhin wäre die Braunisabellstute Haide sowie der Fuchsisabell-Hengst Martalóc zu nennen, der ebenfalls vom ungarischen Staatsgestüt Somogysard erworben wurde und zahlreiche aufgehellte Nachkommen hinterließ. Da keine weiteren aufgehellten direkten Nachkommen Marlons bekannt sind, muss daran gezweifelt werden, ob er tatsächlich das Cream-Gen trug oder dieses nicht doch eher der Mutterseite zugeschrieben werden muss. Dianes Mutterstamm ist weitgehend ungeklärt und es kann vermutet werden, dass das Cream-Gen hier seinen Ursprung hat.

 

links: Sylfou xx • rechts: Marlon xx

 

In den USA sorgte 1966 der Vollblüter Milkie xx für Aufsehen. Sowohl sein Vater Deer Lodge xx als auch seine rennerprobte Mutter Tootsie T xx waren als Braune eingetragen. Obwohl Milkie xx ganz zweifelsfrei ein Fuchsisabell war, wurde er als “light chestnut” (heller Fuchs) eingetragen. Es ist zu vermuten, dass das Cream-Gen über die Mutterlinie kam, die allerdings als obskur und möglicherweise durch Fremdblut beeinflusst gilt. Dennoch avancierte Milkie xx zum Stammvater amerikanischer Vollblüter aufgehellter Farben der Gegenwart und er befindet sich im Pedigree nahezu aller isabellfarbener Vollblüter in den USA. Zahlreiche Nachkommen Milkies haben sich im Huntersport einen Namen gemacht.

 

Als im Jahre 1982 der Fuchsisabell-Hengst Glitter Please xx geboren wurde, dürfte seine Farbe ebenfalls für großes Staunen gesorgt haben. Sein Vater, der G2-Sieger Jack Sprat xx war ein Fuchs und seine Mutter Lucky Two Bits xx galt als Braune. Aller Wahrscheinlichkeit nach kam das Cream-Gen auch hier von der Mutterseite, die ebenfalls wie bei Milkie xx als unklar gilt. Glitter Please xx startete in den USA auf FEI Niveau bis Intermédiare I in der Dressur und war bis Grand Prix ausgebildet.

 

Die Züchter beider Hengste mussten sich akribischen und peinlichen Befragungen hinsichtlich züchterischer Fehltritte stellen, die aber ohne Ergebnis blieben. Somit wurden sowohl Milkie xx als auch Glitter Please xx vom amerikanischen Jockey Club akzeptiert.

 

Der aus den USA importierte Vollblüter RFF The Alchemist xx, der seinerzeit weltweit einzige gekörte und leistungsgeprüfte Vollblüter in der seltenen Farbe Cremello (doppelt aufgehellter Fuchs, auch Fuchsweissisabell genannt), führte beide Hengste in seinem Pedigree und ist der Vater unserer Stute Alizée.

 

links: Milkie xx • rechts: Glitter Please xx
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