Royal Hanoverian Creams

 

Deutschland
Isabella I. von Kastilien (1451-1504) soll für die Rückeroberung ihrer Krone deutsche Söldner engagiert haben und jedem der siegreichen Generäle ein königliches Ross geschenkt haben. Diese als “rein sahneweiß” beschriebenen Pferde mit “etwas dunklerem Langhaar, reiner rosa Haut und blauen Augen” gelangten an den Kurfürst von Hannover, der von ihnen seine Prunkkutsche bei Staatsakten ziehen ließ.

 

Ab dem 17. bis ins 19. Jahrhundert wurden im Gestüt in Neuhaus Pferde in “absonderlichen Farben” (Isabellen und Weißgeborene) gezüchtet. Die Geschichte der Hannover Isabellen und der weißgeborenen Herrenhausener, die beide ein fester Bestandteil des Fürstlich- beziehungsweise Königlich-Hannoverschen Marstalls waren, ist eng miteinander verbunden.

 

In Herrenhausen nahe Hannover unterhielt man ab etwa 1844 unter der Bezeichnung "Hannoversches Hofgestüt" ein Privatgestüt mit der Zucht von Isabellen und Weißgeborenen, die bis 1895 bestand. Eine weitere deutsche Zuchtstätte von Isabellen und Weißgeborenen war das Gestüt Allstedt südöstlich von Sangershausen, das bereits vor 1738 gegründet worden sein soll. Von Beginn an wurden auch hier Isabellen aus Spanien (Andalusien) eingesetzt.

 

Die Zucht der "Hannover'schen Isabellen" wurde im Jahre 1896 eingestellt. Es dürften mehrere Gründe dazu geführt haben: Zum einen verschlang die Zucht und Haltung dieser Pferde große Summen Geld und zum anderen war ihr Farbschlag aus der Mode gekommen. Auch galten viele der Pferde als kränklich und wenig belastbar, was aber wohl maßgeblich – wie man heute weiß – auf die enge Inzucht zurückzuführen war. Auch der deutsch-französische Krieg und die Übernahme Hannovers durch Preußen dürften eine Rolle gespielt haben.

 

 

England
Im Jahre 1714 stellte das Haus Hannover mit Georg I. Ludwig (George I.) den britischen König und Nachkommen der “spanischen Isabellen” zogen in die königlichen Ställe von Hampton Court ein. Die “Royal Hanoverian Creams”, wie sie fortan genannt wurden, beschrieb man als “Pferde mit Ramskopf, kleinen Ohren, etwas weichem Rücken und Lenden, trockenen Beinen und mittelmäßig ausgeprägtem Bauch”. Sie wurden bis ins Jahre 1921 nahezu durchgängig vor die britische Staatskarosse gespannt. Von einer siebenjährigen Unterbrechung erzählt die Geschichte, als König George III. sich weigerte die Royal Creams zu verwenden, nachdem Napoleon bei seinem triumphalen Einzug in Paris seinen Siegeswagen von Isabellen ziehen ließ, die er in Hannover verschleppt hatte.

 

1921 beendete man die kostspielige Haltung der Royal Creams und das britische Königshaus verkaufte die letzten verbliebenen Pferde. Einige von ihnen gelangten an Zirkusse (Lord John Sanger), zwei erwarb der spanische König; die anderen gingen in private Hände oder wurden als Arbeitspferde eingesetzt. Sir Hugh Garrard Tyrwhitt-Drake, der einen Jährlingshengst und zwei Jährlingsstuten erworben hatte, beschrieb in seinem Buch “The Circus und Fairground Inglés” (veröffentlicht von Methuen & Co. Ltd London im Dezember 1946) die Royal Creams. 1942 wurden im Whipsnade Zoo Park in England die vermutlich letzten sehr alten Exemplare dieser Rasse gezeigt.

 

 

Niederlande
Der erste Fohlenjahrgang des im Jahre 1938 geborenen Oldenburger Hengstes Rheinfeld sorgte 1942 für einiges Aufsehen, als aufgehellte Fohlen aus einfarbigen Müttern fielen. Bei dem in die Niederlande exportierten Hengst handelte es sich nicht um einen Rappen, sondern um einen Smoky Black. Das Creme-Allel kam aus seiner Mutterlinie und ließ sich bis zu der 1871 geborenen Stute Thusnelda (Fuchsisabell, vermutlich von Regent) zurückverfolgen. Rheinfelds Mutter Pepita II. brachte 1942 im Alter von 23 Jahren mit dem braunen Hengst Ortwin ihre letztes Fohlen – einen braunisabellfarbenen Hengst, dessen Verbleib leider unbekannt ist. Bereits 1933 fiel aus der Anpaarung Pepitas mit dem braunen Hengst Till ein braunisabellfarbenes Hengstfohlen, das nach Österreich verkauft wurde. Es ist anzunehmen, dass der Creme-Faktor dieser Linie aus Hannover stammt. Noch heute gibt es aufgehellte Nachkommen des Rheinfeld in den Niederlande – zum Teil in der Gelderländer-Zucht aufgegangen.


Beispiel 1
Beispiel 2

 

Die "Hannover Isabellen"/"Royal Hanoverian Creams", wie auch die "Herrenhausener Weißgeborenen"  gelten hingegegen als ausgestorben.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© horseandart