Trakehner Isabellen

 

Die Zuchtgeschichte der Trakehner, die im Jahre 2007 auf ihr 275-jähriges Bestehen zurückblicken konnten, lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1732 zurückverfolgen. Damit gelten die Trakehner als älteste Reitpferderasse Deutschlands. Ziel des von König Friedrich Wilhelm I. 1732 in Trakehnen gegründeten Gestüts sollte es sein, die aus der Ordenszeit übernommenen Zuchtstämme weiter zu entwickeln, um für den expandierenden preußischen Staat und dessen Militär harte und leistungsfähige Remonten für die Kavallerie zu züchten.

 

Nach dem Tod Friedrich der Großen 1786 gingen die Trakehner Pferde an die preußischen Krone über, womit Trakehnen zum Hauptgestüt wurde. Um das Zuchtziel der "fortschreitenden Veredelung" voranzutreiben, rangierte Oberlandstallmeister Graf Lindenau zunächst 25 der 38 Hauptbeschäler und fast die Hälfte der 358 Mutterstuten aus.

 

In den folgenden Jahrzehnten wurde eine Reihe von Orientalen und englischen Vollblütern sowie deren Söhne in Trakehnen eingesetzt, wobei in erster Linie zwölf Nachkommen des im Friederich-Wilhelm-Gestüt in Neustadt an der Dosse wirkenden Achal Tekkiners Turk Main Atty zu großen Erfolgen kamen.

 

Vermutlich kam zu dieser Zeit das Creme-Gen in die Trakehner-Zucht. Es ist nicht anzunehmen, dass die Trakehner Isabellen speziell auf ihre Farbgebung hin gezüchtet wurden, sondern dass die goldenen Farben ein “Nebenprodukt” war. Die Veredelung durch die Araber, Orientalen und englische Vollblüter führte dazu, dass Anfang des 20. Jahrhunderts der Vollblutanteil der Trakehner etwa fünfzig Prozent betrug.

 

In Trakehnen hielt man die Stuten nach Farben sortiert in verschiedenen Herden. Die Fuchsisabellen befanden sich in der Fuchsherde, die als die wertvollste galt.
 
Vor Ende 1944 standen 1.115 Pferde auf dem Gestüt Trakehnen; darunter 20 Hauptbeschäler und 378 Mutterstuten. Die Flucht in den Westen überlebten lediglich 28 Stuten, mit welchen an verschiedenen Orten ein Neuaufbau der Zucht begann. Es ist nicht überliefert und auch eher unwahrscheinlich, dass sich darunter eine isabellfarbene Stute befand.

 

Nachdem die Trakehner Isabellen für viele Jahre in Vergessenheit gerieten, wurde gegenwärtig einigen wenigen isabellfarbenen Stuten die Ehre zuteil, vom Trakehner Verband anerkannt und trakehnisch gebrannt zu werden. Sie haben alle den gekörten und leistungsgeprüften, cremellofarbenen Vollblüter RFF The Alchemist xx zum Vater, der vom Gestüt Falkenhorst 2003 aus den USA importiert wurde.

 

Trakehner werden bis heute reinblütig gezüchtet. Außer Trakehnern dürfen lediglich Englische Vollblüter, Arabische Vollblüter, Shagya-Araber und Anglo-Araber eingekreuzt werden.

Leider ist der Hengst RFF The Alchemist xx mittlerweile verstorben; daher bleibt zu hoffen, dass die wenigen isabellfarbenen Trakehnerstuten entsprechend angepaart werden, um die Nachkommen dieser Raritäten der Nachwelt zu erhalten.

 

Es ist durchaus denkbar, dass es noch heute Nachfahren der ursprünglichen Trakehner Isabellen gibt – wenn auch in anderen Warmblutrassen verankert. Schweden beispielsweise, wo sich die Isabellen seit jeher großer Beliebtheit erfreuen, importierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts den 1798 im Hauptgestüt Trakehnen gezogenen Trakehnerhengst Belisair (Gestüt Flyinge). Er und etliche seiner direkten Nachkommen wurden als hellbraun beschrieben, aber es kann sich durchaus auch um Braunisabellen gehandelt haben. Einer von Belisairs Nachkommen war der Elitehengst Bernstein, der eine herrliche Goldfarbe hatte und als Vererber große Spuren hinterließ. Sein einziger aufgehellter gekörter Sohn ist Ravell, dem man das Cremegen zwar nicht auf den ersten Blick ansieht (er ist ein sehr dunkler Braunisabell), es aber dennoch an seine Nachkommen weitergeben kann.

 

"Trakehner Stuten" • Photo © archive Schulte nach einem Gemälde von K. Volkers
Gemälde der "Fuchsherde" auf den Koppeln des "Alten Hofes" – links eine isabellfarbene Stute Unbekannter Maler – Leihgabe für die Ausstellung "275 Jahre Trakehnen - Mythos im Zeichen der Elchschaufel" im Deutschen Pferdemuseum in Verden im Jahre 2007
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