AUFGEHELLTE PFERDE

Farbgenetik

Die Genetik der Pferdefarben bezeichnet die Auswirkungen der genetischen Faktoren auf die Farbgebung von Pferden.

 

Früher beruhte die Namensgebung für die Fellfarben der Pferde rein auf dem äußeren Erscheinungsbild (Phänotyp), da noch kein ausreichendes Wissen über genetische Zusammenhänge bestand. 

Heute unterscheidet man die Pferdefarben nach den genetischen Grundlagen (Genotyp). 

 

Es bestehen zwei Grundfarben: Rappe und Fuchs.

 

Eumelanin: schwarzes Pigment

Phäomelanin: rotes Pigment

 

Homozygot: reinerbig; Genkombination aus zwei gleichen Buchstabenformen (ee, EE, aa, AA)

Heterozygot: mischerbig; Genkombination aus zwei verschiedenen Buchstabenformen (Ee, Aa)

 

Ein Pferd erhält von beiden Elterntieren zu jedem Faktorenpaar jeweils ein Gen. Jeder der Faktoren wird durch ein Paar (AA, Aa oder aa für die Schwarzfärbung sowie EE, Ee oder ee für die Rotfärbung) bestimmt. Die mit Großbuchstaben bezeichneten Gene sind dabei immer dominant gegenüber den mit Kleinbuchstaben rezessiv bezeichneten Gene desselben Faktors. 

 

Kommt ein Creme-Gen hinzu (heterozygot Cr/n), entsteht die einfache Aufhellung der Fellfarbe: Fuchsisabell (Palomino), Braunisabell (Buckskin) oder Rappisabell (Smoky Black). 

 

Bei der doppelten Aufhellung der Fellfarbe (homozygot CrCr) entstehen Weißisabellen (Cremello, Perlino und Smoky Cream). 

 

Die für den Creme-Faktor verantwortliche Erbanlage liegt auf dem so genannten Membran-Assoziierten Transportprotein (MATP) verankert. MATP spielt eine wesentliche Rolle in der Synthese des dunklen Haut- und Haarpigments, dem Eumelanin. Durch den Creme-Faktor kann nicht im normalen Ausmaß Eumelanin gebildet werden, sodass die ursprüngliche Farbe "verdünnt" wird. 

 

Um zweifelsfrei die Genkombination eines Pferdes herauszufinden, empfiehlt sich ein molekulargenetischer Test.  

Herkunft des Creme-Gens

Eine Spurensuche

 

Nachgewiesen wurde das Creme-Gen, dessen Herkunft unbekannt ist, in 2600 Jahre alten Knochenfunden von Friedhöfen des Reitervolkes der Skythen in Tuva, Südsibirien. 

 

Die Tatsache, dass dieses Gen nicht bei allen Pferderassen vertreten ist, wirft einige Fragen auf. 

 

Es gilt als sicher, dass das Creme-Gen seit Beginn an bei den Vollblütern verankert war und vermutlich über die Achal Tekkiner eingeführt wurde. Doch warum soll es beim Arabischen Vollblut, welches ähnliche Wurzeln hat, keine aufgehellten Pferde geben? Einige historische Gemälde und Skizzen zeigen arabische Pferde, deren Fellfarbe deutlich aufgehellt erscheint.

 

Warum erschienen im 17. und 18. Jahrhundert gehäuft aufgehellte Vollblüter, die Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wieder verschwunden zu sein schienen? – Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Farben schlicht falsch registriert waren, was aber eher unwahrscheinlich scheint. Man sollte doch annehmen, dass in über 150 Jahren das eine oder andere als “goldfarben” beschriebene Pferd auftaucht.  

 

Einer Theorie zufolge führen alle heute bestehenden aufgehellten Vollblüter, die fast ausnahmslos auf die Hengste Sylfou xx, Milkie xx und Glitter Please xx zurückgehen einige Tropfen Fremdblut – ob versehentlich oder bewusst zugeführt. Für diese Theorie spricht auch die ungeklärte Mutterlinie der beiden letztgenannten Hengste. 

Théodore Géricault (1791-1824) "Arabian Stallion led by two Arabians to breed" Frühes 19. Jahrhundert • Musee Bonnat, Bayonne, France   © Gemeinfrei

"Silvertail, Portrait of a Horse " • 19. Jahrhundert • © Leeds Museums and Galleries (Lotherton Hall) U.K. -  © Gemeinfrei

"Silvertail", Ölgemälde, 19. Jahrhundert (bei diesem Silvertail handelt es sich um den 1740 geborenen Hengst von Saucebox aus der Stute Silverlocks; es gab daneben auch die 1737 geborene isabellfarbene Stute "Silvertail" -  © Gemeinfrei

Francis Sartorius I (1734-1804) • "A Dun Horse, with Its Groom" - Ölgemälde um 1780 -  © Gemeinfrei

John Wootton (Snitterfield, um 1682-1764) • "A page holding a racehorse", um 1750 -  © Gemeinfrei

In einigen Pferde- und insbesondere Ponyrassen ist das Creme-Gen fest verankert. Beispiele hierfür sind Isländer, Connemara-Ponys, Welsh-Ponys (alle Kategorien), Morgan Horses, Achal Tekkiner, American Saddlebreds, Quarter Horses, Deutsche Sportponys, Shetland-Ponys. 

 

Bei einigen Pferderassen, die einst Träger des Creme-Gens vorweisen konnten, ist dieses heute nahezu nicht mehr vorhanden. Ein Beispiel hierfür sind die Lipizzaner. Über den regen Austausch mit Pferden neapolitanischer Zucht brachten die spanischen Pferde das Creme-Gen in die Zucht der Lipizzaner ein.  

 

In jüngerer Zeit tauchten einige aufgehellte Lipizzaner auf, welche die Farbe Buckskin tragen. Ob sich die Farbe über viele Generationen unter der Schimmeldecke versteckt hielt oder doch irgendwann Pferde einer anderen Rasse eingekreuzt wurden, ist ungeklärt.

 

Johann Georg Hamilton (1672-1737) "Lipizzaner Horse", um 1727 - © Gemeinfrei

 

Dieses Gemälde entstand während einer Reise Hamiltons nach Sachsen und es stellt vermutlich einen Frederiksborger Hengst dar, der sich im Besitz des Kurfürst von Sachsen befand. Die Bezeichnung "Lipizzaner Horse" erhielt das Gemälde erst später, denn zu dieser Zeit war der Begriff "Lipizzaner" noch eine gänzlich unbekannte Bezeichnung. 

Johann Elias Ridinger (1698-1767) • "En bandant le Pistolet au pas."Handcolorierter Kupferstich um 1750, Blatt Nr. 8, Augsburg

© Private Sammlung

Aufgehellte Vollblüter

Ein  Hengst, der die Anerkennung als Stammvater aufgehellter Farben im Englischen Vollblut für sich beanspruchen könnte, ist Acaster Turk (*1703, auch Ancaster Turk, Carlisle White Turk und Lord Carlisle’s White Turk genannt). Er war ein Schimmel, aber seine Grundfarbe könnte durchaus “gelb” gewesen sein. Einige seiner Nachkommen waren aufgehellt, wie beispielsweise seine Tochter Twaite’s Dun M deren Name für eine Braunisabellstute (Buckskin) spricht. Seine Tochter Sister to Chaunter (*1712, auch Akaster Turkmare genannt, Fuchsisabell) stammte aus der isabellfarbenen Stute Cream Cheeks (*1690), deren mütterlicher Großvater Spanker (auch als Pelham’s Bay Arabian bezeichnet) vermutlich ein Braunisabelle (Buckskin) war. Spanker war ein Sohn des Darcy’s Yellow Turk, was wiederum für diesen als Stammvater spricht. 

 

Sister to Chaunters Tochter Silverlocks (*1725, auch Bonny Dundee genannt) war in jedem Fall eine Fuchsisabellstute. Von Mr. Taunton wurde sie als “chestnut filly with a white mane and blaze face” beschrieben. Lord Godolphin nannte sie einen Dun (Falbe). Silverlocks Tochter Sister one to Buff coat (*1738, “Buff” bedeutet stumpfes gelbbraun) war als Buckskin registriert. Auch ihr Sohn Brilliant (*1750) war eindeutig ein Buckskin, was das untenstehende Gemälde von William Shaw dokumentiert.

 "Darcy's Yellow Turk" (in diesem Gemälde als Braunisabell dargestellt, war er aber vermutlich eher ein Fuchsisabell) -  © Gemeinfrei

 

James Darcy the Elder, Stutmeister des britischen Königs Charles II. (1630-1685), stellte seinem Dienstherren die beiden einflußreichen Hengste Darcy’s Yellow Turk (*1665, vermutlich Fuchsisabell, obwohl im britischen General Stud Book als “sorrel” oder “chestnut” registriert) und Darcy’s White Turk (*1669, vermutlich Schimmel mit verdecktem Creme-Gen) zur Verfügung. Darcy’s Yellow Turk könnte als Stammvater aufgehellter Farben im Englischen Vollblut bezeichnet werden, da die meisten aufgehellten Pferde auf ihn zurückgehen.

Altkolorierter Stahlstich "The Byerley Turk" nach einem Ölgemälde von John Wootton (1682 -1764) -  © Private Sammlung

 

Es darf vermutet werden, dass bereits Byerley Turk (auch Barely Turk genannt), einer der drei Stammväter des Englischen Vollblutes, Träger des Creme-Gens war. Er war ein Achal-Tekkiner und höchstwahrscheinlich ein dunkler Braunisabell (dark Buckskin).

Stahlstich von "Silverlocks" -  © Private Sammlung

Dieses Gemälde um 1750 des John Wootton (Snitterfield, um 1682-1764) trägt zwar den Titel "Dun Barb (Horse and Arabian Groom)", aber es dürfte sich hier um den Hengst Oxford Dun Arabian handeln)  © Gemeinfrei

"Brilliant, William Croft’s dun Stallion" - Ölgemälde von  William Shaw (unbekannt-1772), 1758 -  © Gemeinfrei

Weiterere Anwärter für den Titel des Stammvaters aufgehellter Farben im Englischen Vollblut sind der 1715 aus Aleppo importierte Braunisabell Oxford Dun Arabian (*ca. 1710), der unter anderem die Fuchsisabellstute Oxford Dun Arabian Mare (*ca. 1718) hinterließ. Weiterhin Gower Dun Barb (*~1750) ein Buckskin-farbener Berber, dessen Abstammung jedoch nicht überliefert ist und von welchem auch kein Bild existiert. 

 

Bei Eclipse (*1764), berühmtestes Rennpferd seiner Zeit, wurde lange Zeit gemutmaßt, er sei möglicherweise ein Fuchsisabell. Er war als Fuchs registriert, aber ein Gemälde, das ihn mit seiner Mutter Spilletta darstellt, zeigt ihn mit einem weißen Schweif. Nach gegenwärtigen ausgiebigen Untersuchungen seines Skeletts, welches in London bewahrt und konserviert wird, stellte man jedoch fest, dass er tatsächlich ein Fuchs war.  

 

Eclipses Sohn Jupiter (*1764) wurde auf einem Gemälde als Fuchsisabell festgehalten, wie auch der Eclipse-Enkel Precipitate (*1787). Letzterer führt mehrfach Darcy’s Yellow Turk und Cream Cheeks in seinem Pedigree. Ein Sohn Eclipses mit dem außergewöhnlichen Namen Pot8os (auch Pot-8-os und Potoooooooo genannt), zu dessen Vorfahren die Isabellstute Silvertail (*1737) zählte, war vermutlich ebenfalls ein Fuchsisabell.

 

Mittlerweile wird von zahlreichen Vertretern der Vollblutzucht seit etwa 1700 angenommen, dass es sich um Isabellen handelte, obwohl sie damals als Braune und Füchse registriert waren. Einige Beispiele hierfür sind Morgan's Dun (*ca. 1695-1705, buckskin), Thwaite's Dun Mare (*ca 1705, buckskin), Akaster Turk Mare (*ca. 1712, Fuchsisabell), 3 x Silvertail (1737, 1740 und 1753), Buffcoat (*1742, buckskin), Ginger (1750, buckskin), Easby Miller (buckskin, Muttervater = Godolphin Arabian), Creampot (*1755, buckskin), Well-Done (*1756, buckskin), Doubtful (*1759, buckskin), Antelope (*1760, buckskin), Honeycomb (*1760, buckskin), Isabella (*1765, buckskin), Petulant (*1767, buckskin), Spindle (*1767, buckskin), Dorilas (*1768, buckskin), Gem (*1768, buckskin), Spangle (*1769, buckskin), Dunny (*1771, buckskin), Pierrot (*1771, buckskin), Custard (*1774, buckskin), Loretta (*1774, buckskin), Golden Dun (*1777, buckskin), Don Dun und viele weitere. 

Charles Towne (1763-1840) - Ölemälde "A Palomino frightened by an oncoming storm with a Spaniel", 1814 - © Frank Partridge | Privatsammlung - Gemeinfrei

Ab Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts findet man so gut wie keine Informationen über aufgehellte Vollblüter. Deshalb ist es es auch unmöglich, nachzuvollziehen über welche Linien das Creme-Gen weitergegeben wurde.  

 

Im 20. Jahrhundert machten in Europa die beiden Vollblüter Sylfou xx und Marlon xx von sich reden.  Der 1959 in Frankreich von Henry de Catheu gezogene Sylfou xx von Djefou xx war als Fuchs registriert, aber auf diversen Fotos eindeutig als Fuchsisabell zu erkennen. Er wurde ins ungarische Staatsgestüt Somogysard verkauft und dort zur Farbzucht eingesetzt. Man findet ihn im Pedigree zahlreicher Isabellen osteuropäischer Herkunft. 

 

Der als Dunkelbrauner eingetragene, 1958 geborene Marlon xx von Tamerlane xx stammte aus Irland und etablierte sich zu einem der vielseitigsten Vererber Holsteins. Von Marlon xx wurde lange gemutmaßt, dass er ein dunkler Buckskin war. Allerdings sind nur drei direkte Nachkommen bekannt, die das Creme-Gen aufweisen und alle drei stammen von der selben Mutter – der als Fuchs eingetragenen Holsteinerstute Diane (von Hetmann). Ihre isabellfarbene Tochter Ma Soleil (Mamette Dite Ma Soleil) war hocherfolgreich unter Breido Graf zu Rantzau im Springsport und deren isabellfarbene Tochter Insolante von Darco konnte große Erfolge im internationalen Springsport unter Philippe Rozier (Frankreich) verbuchen. Weiterhin wäre die Fuchsisabellstute Haide sowie der Braunisabell-Hengst Martalóc zu nennen, der ebenfalls vom ungarischen Staatsgestüt Somogysard erworben wurde und zahlreiche aufgehellte Nachkommen hinterließ. Da keine weiteren aufgehellten, direkten Nachkommen Marlons bekannt sind, kann davon ausgegangen werden, dass das Creme-Gen von der Mutter vererbt wurde. Dianes Mutterstamm ist weitgehend ungeklärt aber vermutlich hat das Creme-Gen hier seinen Ursprung.

Hengst Sylfou xx - © Unbekannt

Stute Insolante von Darco unter Philippe Rozier - © Unbekannt

In den USA sorgte 1966 der Vollblüter Milkie xx für Aufsehen. Sowohl sein Vater Deer Lodge xx als auch seine rennerprobte Mutter Tootsie T xx waren als Braune eingetragen. Obwohl Milkie xx  zweifelsfrei ein Fuchsisabell war, wurde er als “light chestnut” eingetragen. Es ist zu vermuten, dass das Creme-Gen über die Mutterlinie kam, die  als obskur und möglicherweise durch Fremdblut beeinflusst galt. Dennoch avancierte Milkie xx zum Stammvater amerikanischer Vollblüter aufgehellter Farben der Gegenwart und er befindet sich im Pedigree nahezu aller isabellfarbener Vollblüter in den USA.

 

 

Milkie xx - © Unbekannt

 

Als  1982 der Fuchsisabell-Hengst Glitter Please xx geboren wurde, dürfte seine Farbe ebenfalls für großes Staunen gesorgt haben. Sein Vater, der G2-Sieger Jack Sprat xx war ein Fuchs und seine Mutter Lucky Two Bits xx galt als Braune. Aller Wahrscheinlichkeit nach kam das Creme-Gen auch hier von der Mutterseite, die ebenfalls wie bei Milkie xx als unklar gilt. Glitter Please xx startete in den USA  bis Intermédiare I in der Dressur und war bis Grand Prix ausgebildet. 

 

Die Züchter beider Hengste mussten sich akribischen und peinlichen Befragungen hinsichtlich züchterischer Fehltritte stellen, die aber ohne Ergebnis blieben. Somit wurden sowohl Milkie xx als auch Glitter Please xx vom amerikanischen Jockey Club akzeptiert.  

 

Der aus den USA importierte Vollblüter RFF The Alchemist xx, der seinerzeit weltweit einzige gekörte und leistungsgeprüfte Vollblüter in der seltenen Farbe Cremello führte beide Hengste in seinem Pedigree und ist der Vater unserer ehemaligen Stute Alizèe.

Hengst Glitter Please xx - © Unbekannt

Trakehner Isabellen

Die Zuchtgeschichte der Trakehner, die im Jahre 2007 auf ihr 275-jähriges Bestehen zurückblicken konnten, lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1732 zurückverfolgen. Damit gelten die Trakehner als älteste Reitpferderasse Deutschlands. 

 

Ziel des von König Friedrich Wilhelm I. 1732 in Trakehnen gegründeten Gestüts sollte es sein, die aus der Ordenszeit übernommenen Zuchtstämme weiter zu entwickeln, um für den expandierenden preußischen Staat und dessen Militär harte und leistungsfähige Remonten für die Kavallerie zu züchten.

 

 "Trakehner Stuten" • Photo © archive Schulte nach einem Gemälde von K. Volkers - © Gemeinfrei

Gemälde der "Fuchsherde" auf den Koppeln des "Alten Hofes" – links eine isabellfarbene Stute Unbekannter Maler – Leihgabe für die Ausstellung "275 Jahre Trakehnen - Mythos im Zeichen der Elchschaufel" im Deutschen Pferdemuseum in Verden im Jahre 2007  © Gemeinfrei

Nach dem Tod Friedrich der Großen 1786 gingen die Trakehner Pferde an die preußischen Krone über, womit Trakehnen zum Hauptgestüt wurde. Um das Zuchtziel der "fortschreitenden Veredelung" voranzutreiben, rangierte Oberlandstallmeister Graf Lindenau zunächst 25 der 38 Hauptbeschäler und fast die Hälfte der 358 Mutterstuten aus.

 

In den folgenden Jahrzehnten wurde eine Reihe von Orientalen und englischen Vollblütern in Trakehnen eingesetzt, wobei in erster Linie zwölf Nachkommen des im Friederich-Wilhelm-Gestüt in Neustadt an der Dosse wirkenden Achal Tekkiners Turk Main Atty zu großen Erfolgen kamen. 

 

Vermutlich kam zu dieser Zeit das Creme-Gen in die Trakehner-Zucht. Es ist nicht anzunehmen, dass die Trakehner Isabellen speziell auf ihre Farbgebung hin gezüchtet wurden, sondern dass die goldenen Farben ein “Nebenprodukt” war. Die Veredelung durch die Araber, Orientalen und englische Vollblüter führte dazu, dass Anfang des 20. Jahrhunderts der Vollblutanteil der Trakehner etwa fünfzig Prozent betrug.

 

In Trakehnen hielt man die Stuten nach Farben sortiert in verschiedenen Herden. Die Fuchsisabellen befanden sich in der Fuchsherde, die als die wertvollste galt.

 

Vor Ende 1944 standen 1.115 Pferde auf dem Gestüt Trakehnen; darunter 20 Hauptbeschäler und 378 Mutterstuten. Die Flucht in den Westen überlebten lediglich 28 Stuten, mit welchen an verschiedenen Orten ein Neuaufbau der Zucht begann. Es ist nicht überliefert und auch eher unwahrscheinlich, dass sich darunter eine isabellfarbene Stute befand.

Nachdem die Trakehner Isabellen für viele Jahre in Vergessenheit gerieten, wurde gegenwärtig einigen wenigen isabellfarbenen Stuten die Ehre zuteil, vom Trakehner Verband anerkannt und trakehnisch gebrannt zu werden.

 

Trakehner werden bis heute reinblütig gezüchtet. Außer Trakehnern dürfen lediglich Englische und Arabische Vollblüter, Shagya-Araber und Anglo-Araber eingekreuzt werden.

Es ist durchaus denkbar, dass es noch heute Nachfahren der ursprünglichen Trakehner Isabellen gibt – wenn auch in anderen Warmblutrassen verankert. Schweden beispielsweise, wo sich die Isabellen seit jeher großer Beliebtheit erfreuten, importierte Anfang des 19. Jahrhunderts den 1798 im Hauptgestüt Trakehnen geborenen Trakehnerhengst Belisair (Gestüt Flyinge). Er und etliche seiner  Nachkommen wurden als hellbraun beschrieben, aber es kann sich durchaus auch um Braunisabellen gehandelt haben. 

 

Einer von Belisairs Nachfahren war der Elitehengst Bernstein, der eine herrliche Goldfarbe hatte und als Vererber große Spuren hinterließ. Sein einziger aufgehellter gekörter Sohn war Ravell, dem man das Cremegen nicht auf den ersten Blick ansah; er war ein sehr dunkler Braunisabell. Bernstein ist auch Muttervater des derzeit zuchtaktiven schwedischen Palomino-Hengstes Zafferano.

Equus Kinský

Die Vollblutzucht im Gestüt Hebrecin Kinský der Familie Kinský, einem Hochadelsgeschlecht aus Chlumec an der Cidlina in Böhmen (heutiges Tschechien), wurde im Jahre 1520 gegründet, reicht aber noch weiter zurück, da bereits 1461 Pferde aus der Kinskýzucht Erwähnung fanden, die ihren Einsatz in der Kavallerie und bei Pferderennen fanden.

 

1628 wurden die um 1150 erstmalig erwähnten Kinskýs in den Reichsgrafenstand erhoben. 1723 beauftragte der Österreichische Kaiser Karl II. das Haus Kinský, seine Pferdezucht zu erweitern, um die beliebten Pferde aus der böhmischen Zucht für ausgewählte Kavallerie-Offiziere in ausreichender Menge liefern zu können.

Portrait des Oktavián Joseph Graf Kinský auf seinem Gründerhengst Caesar - © Gemeinfrei

Foto: Kinský-Stute "Norma" im Jahre 1936 mit ihrer Trainerin und Reiterin Gräfin Lata Brandisova - © Unbekannt

1836 brachte die als Fuchs registrierte Vollblutstute Themby I in Anpaarung mit dem dunkelbraunen Hengst Whisker xx ein isabellfarbenes Stutfohlen zur Welt. Das General Stud Book weigerte sich aufgrund der Farbe, das Fohlen einzutragen. Diese Entscheidung wurde damit begründet, dass es noch nie ein Vollblutpferd in dieser Farbe gegeben hätte. Es wurde gar unterstellt, dass möglicherweise ein Hengst spanisch-neapolitanischer Rasse aus dem benachbarten Fideikomißgestüt Ostrov der Vater des Fohlens sei. 

 

Der erzürnte Oktavián Joseph Graf Kinský (1813-1896) – ungehalten über diese Unterstellung – gründete daraufhin kurzerhand ein eigenes Stutbuch. Die Rasse des Equus Kinský, auch Kinský-Pferd, Chlumetzer oder Böhmischer Hunter genannt, war geboren. Das Isabellfohlen, welches Themby II genannt wurde, brachte 1845 mit Prince Djalma xx den isabellenfarbenen Hengst Caesar, der zum Stammvater der Kinský-Pferde werden sollte.

 

Die blutgeprägten Pferde fanden ihren Einsatz als Kavalleriepferde, Hunter und wurden auch für Rennen eingesetzt. Das Gestüt Equus Kinský war nicht nur ein Zentrum der Pferdezucht, sondern auch ein Ort sportlicher und gesellschaftlicher Veranstaltungen. Oktavián Joseph Graf Kinský organisierte ab  1836 die ersten Parforcejagden nach englischem Vorbild in Böhmen und ab 1846 veranstaltete er Steeplechase-Rennen im englischen Stil. Viermal waren Pferde der Familie Kinský beim Großen Pardubicer Steeplechase siegreich. 1883 gewann die Kinskýstute Zoedone mit ihrem Reiter Graf Karel Kinský das Grand National in Aintree (England).

1937 konnte Gräfin Lata Brandisova mit der Kinský-Stute Norma mit sieben Längen als erste und einzige Frau das Pardubice Grand National für sich entscheiden. Dieses Rennen wurden neun weitere Male von Kinský-Pferden gewonnen (Beispiele: Magyarád 1897 und 1900, Glory 1899, Buchweizen 1931, Nestor 1966). 

 

Die gewünschte Farbgebung der Kinský-Pferde waren die Isabellen, aber auch alle anderen Farben kamen vor und waren erlaubt. Als Oktavián Joseph Graf Kinský gezielt begann, Isabellen zu züchten, fielen auch doppelt aufgehellte Fohlen (Weissisabellen - Cremellos und Perlinos), die er abfällig als “Kakerlaken” bezeichnete. Damals fiel die Farbgenetik (im wahrsten Sinne des Wortes) noch in die Kategorie "böhmische Dörfer" und man glaubte, durch Einkreuzen dunkler Pferde dem allmählich auftretenden Farbverlust entgegenwirken zu können. Graf Kinský war zudem davon überzeugt, dass auch einfarbige Nachkommen isabellfarbener Eltern die Erbanlage für die begehrte Goldfarbe in sich tragen. 

Viele Jahre wurden die Kinskýs auf Vollblutbasis weitergezüchtet und mit Kisberern, einer Halbblutrasse aus dem ungarischen Gestüt Bábolna gekreuzt. Auch Hannoveraner, Trakehner und Achal-Tekkiner kamen zum Einsatz. Die Kinský-Fohlen benannte man von Anbeginn der Zucht immer nach dem Anfangsbuchstaben der Namen ihrer Mütter. Die Namen aller Kinskýs begannen mit N, H, J, M, R, P und O. 

 

Nachdem die Familie Kinský im Jahre 1948 enteignet wurde und emigrierte, übernahmen die Gestüte Slatinany und Kladruby an der Elbe die in Chlumec verbliebenen Kinský-Pferde. Nach mehrfachen Besitzerwechseln wird die Zucht im tschechischen Stammgestüt Ostrov bei Písek bis heute betrieben und auch einige wenige tschechische Privatzüchter versuchen, die Rasse zu erhalten und nach den ursprünglichen Merkmalen weiter zu züchten. 

 

Vertreter der Kinský-Pferde, die als nationales Kulturgut Tschechiens gelten, befinden sich mittlerweile auch in in der Schweiz, Österreich, in Holland, Belgien und in England. Ein Züchter in Großbritannien soll der Königin Mutter zu ihrem 100. Geburtstag eine goldene Kinský-Stute zum Geschenk gemacht haben. 

 

Ende des 20. Jahrhunderts ging die Zucht der Kinský-Pferde nahezu vollständig im Tschechischen Warmblut auf. Die gegenwärtige Population der Kinskýs ist bedenklich gering und gilt als vom Aussterben bedroht. 

Hannoveraner Isabellen/
Royal Hanoverian Creams

 

Deutschland

Isabella I. von Kastilien (1451-1504) soll für die Rückeroberung ihrer Krone deutsche Söldner engagiert haben und jedem der siegreichen Generäle ein königliches Ross geschenkt haben. Diese als “rein sahneweiß” beschriebenen Pferde mit “etwas dunklerem Langhaar, reiner rosa Haut und blauen Augen” gelangten an den Kurfürst von Hannover, der sie für seine Prunkkutsche bei Staatsakten nutzte.

 

Ab dem 17. bis ins 19. Jahrhundert wurden im Gestüt in Neuhaus Pferde in “absonderlichen Farben” (Isabellen und Weißgeborene) gezüchtet. Die Geschichte der Hannover'schen Isabellen und der weißgeborenen Herrenhausener, die beide ein fester Bestandteil des Fürstlich- beziehungsweise Königlich-Hannoverschen Marstalls waren, ist eng miteinander verbunden.

 

In Herrenhausen nahe Hannover unterhielt man ab etwa 1844 unter der Bezeichnung "Hannoversches Hofgestüt" ein Privatgestüt mit der Zucht von Isabellen und Weißgeborenen, die bis 1895 bestand. Eine weitere deutsche Zuchtstätte dieser Pferde war das Gestüt Allstedt südöstlich von Sangershausen, das bereits vor 1738 gegründet worden sein soll. Von Beginn an wurden auch hier Isabellen aus Spanien (Andalusien) eingesetzt.

 

Die Zucht der "Hannover'schen Isabellen" wurde im Jahre 1896 eingestellt. Es dürften mehrere Gründe dazu geführt haben: Zum einen verschlang die Zucht und Haltung dieser Pferde große Summen Geld und zum anderen war ihr Farbschlag aus der Mode gekommen. Auch galten viele der Pferde als kränklich und wenig belastbar, was aber wohl maßgeblich – wie man heute weiß – auf die enge Inzucht zurückzuführen war. Auch der deutsch-französische Krieg und die Übernahme Hannovers durch Preußen dürften eine Rolle gespielt haben.

"A White Hanoverian Leader" Abbildung (Holzstich) aus Sydney's Book of the Horse 1875 - © Private Sammlung

“Als einer der intelligentesten und schönsten Vertreter seiner Rasse galt der Hengst "Occo" - Historische Aufnahme - © Private Sammlung

"Royal Creams" - © Private Sammlung - Neben den aus Deutschland importierten "Creams" kamen zur selben Zeit auch die Hannover Rappen nach England

Alfred Corbould "Cream State Carriage Horse of Queen Victoria's Stud" Colorierte Lithografie, 1875 aus "Cassell's Book of the Horse" - © Private Sammlung

“The Coronation procession of King Edward VII" - Historische Aufnahme - © Private Sammlung

Stallungen der "Royal Hanoverian Creams" - Holzstich um 1870

© Private Sammlung

England

Im Jahre 1714 stellte das Haus Hannover mit Georg I. Ludwig (George I.) den britischen König und Nachkommen der “spanischen Isabellen” zogen in die königlichen Ställe von Hampton Court ein. Die “Royal Hanoverian Creams”, wie sie fortan genannt wurden, beschrieb man als “Pferde mit Ramskopf, kleinen Ohren, etwas weichem Rücken und Lenden, trockenen Beinen und mittelmäßig ausgeprägtem Bauch”. 

 

Sie wurden bis ins Jahre 1921 nahezu durchgängig vor die britische Staatskarosse gespannt. Von einer siebenjährigen Unterbrechung erzählt die Geschichte, als König George III. sich weigerte die Royal Creams zu verwenden, nachdem Napoleon bei seinem triumphalen Einzug in Paris seinen Siegeswagen von Isabellen ziehen ließ, die er in Hannover verschleppt hatte.

 

1921 beendete man die kostspielige Haltung der Royal Creams und das britische Königshaus verkaufte die letzten verbliebenen Pferde. Einige von ihnen gelangten an Zirkusse (Lord John Sanger), zwei erwarb der spanische König; die anderen gingen in private Hände oder wurden als Arbeitspferde eingesetzt. Sir Hugh Garrard Tyrwhitt-Drake, der einen Jährlingshengst und zwei Jährlingsstuten erworben hatte, beschrieb in seinem Buch “The Circus und Fairground Inglés” (veröffentlicht von Methuen & Co. Ltd London im Dezember 1946) die Royal Creams. 1942 wurden im Whipsnade Zoo Park in England die vermutlich letzten sehr alten Exemplare dieser Rasse gezeigt.

Niederlande

Der erste Fohlenjahrgang des im Jahre 1938 geborenen Oldenburger Hengstes Rheinfeld sorgte 1942 für einiges Aufsehen, als aufgehellte Fohlen aus einfarbigen Müttern fielen. Bei dem in die Niederlande exportierten Hengst handelte es sich nicht um einen Rappen, sondern um einen Smoky Black. Das Creme-Allel kam aus seiner Mutterlinie und ließ sich bis zu der 1871 geborenen Stute Thusnelda (Fuchsisabell, vermutlich von Regent) zurückverfolgen. Rheinfelds Mutter Pepita II. brachte 1942 im Alter von 23 Jahren mit dem braunen Hengst Ortwin ihre letztes Fohlen – einen braunisabellfarbenen Hengst, dessen Verbleib leider unbekannt ist. Bereits 1933 fiel aus der Anpaarung Pepitas mit dem braunen Hengst Till ein braunisabellfarbenes Hengstfohlen, das nach Österreich verkauft wurde. Es ist anzunehmen, dass der Creme-Faktor dieser Linie aus Hannover stammt. Noch heute gibt es aufgehellte Nachkommen des Rheinfeld in den Niederlanden. 

 

Die "Hannoveraner Isabellen"/"Royal Hanoverian Creams", wie auch die "Herrenhausener Weißgeborenen" gelten hingegegen als ausgestorben.

 

Seit 2023 akzeptiert der Hannoveraner Pferdezuchtverband wieder Pferde mit Creme-Gen.

Lucy Kemp-Welch (1869-1958) "Aristocrats" 1928, 

 Das Ölgemälde zeigt die Hanoverian Creams "Royal" und "Cognac" – der ganze Stolz des Circus Sanger

Bushey Museum and Art Gallery © Gemeinfrei

Johann E. G. Prestel: "Coronation coach with 'Imperialzug' in front of the Giant’s Door of St Stephen’s Cathedral in Vienna" - Kunsthistorisches Museum, Wien © Gemeinfrei

"Pistachio" war einer der letzten Royal Hanoverian Creams - Historische Aufnahme - © Private Sammlung

"Napoleon's coach, 1813" - Historische Postkarte (Liebigs Sammelkarten), um 1880 - © Private Sammlung

HORSEANDART

Schlossbergstrasse 4d   I   85646 Anzing

+49-170-9032461   I   marion@creyaufmueller.de

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